Was bedeutet es, in einem System aufzuwachsen, das darauf ausgelegt ist, Gehorsam zu erzeugen? Wie verlernen wir Gehorsam? bringt Werke zusammen, die den Einfluss staatlicher Kontrolle an deutschen öffentlichen Schulen untersuchen und es wagen, Bildung jenseits von Disziplinierung und Unterwerfung zu denken.
El-Qalqili und Öztat greifen auf einen deutschen Literaturkanon zurück, der seit dem 19. Jahrhundert Gehorsam als Tugend einübt, in der NS Pädagogik ideologisch verschärft wurde und in veränderter Form bis heute in Klassenzimmern fortwirkt. Sie zeichnen die tiefgreifende Prägung der Gehorsamskultur nach: ihre Mechanismen der Bestrafung, Überwachung und Kontrolle und was sie denjenigen abverlangen, die ihnen ausgesetzt sind.
Die Schule des Ungehorsams von El-Qalqili lädt Jugendliche zur Teilnahme ein und entfaltet sich durch Beiträge von Rheim Alkadhi, Zeina Azouqah, Leila Boukarim, Nevin Duran, Frauen machen Druck, Veronika Gerhard und Nahed Samour. Ein Zine gewährt Einblick in den Rechercheprozess und hinterfragt Bildungslogiken, die staatliche Gewalt und Kriminalisierung normalisieren.
Pary El-Qalqili arbeitet im Bereich Film, Performance und Lehre. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit Erfahrungen von Flucht, Exil, Gewaltverhältnissen und Widerstand auseinander. Dabei sind koloniale Bilder, fixierende Blickregime und hegemoniale Bildpolitiken Ausgangspunkt, um Prozesse der Dehumanisierung und Auslöschung zu untersuchen. 2025 erhielt sie das Stipendium Weltoffenes Berlin im Rahmen des Berliner Programm Künstlerische Forschung.
In ihrer sowohl kollektiven als auch individuellen künstlerischen Praxis, die sich über verschiedene, durch ihre Forschung definierte Medien erstreckt, untersucht İz Öztat das Fortbestehen gewaltvoller Geschichten durch Formen, Materialien, Raum und Sprache. Sie reagiert auf Leerstellen in der offiziellen Geschichtsschreibung mit spektralen, intergenerationellen und spekulativen Fiktionen. Öztat hat an der Schnittstelle von Kunst und Vermittlung in selbstorganisierten, institutionellen und akademischen Kontexten gearbeitet. Sie war Fellow des Berliner Programm Künstlerische Forschung (2024–25).
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