(Queer)feministische Gruppen, ihre Magazine und Archive
Kuratiert von Jasmin Eding, Katarina Šević und Ina Wudtke
13.11.2026 – 24.01.2027
Eröffnung 12.11.2026, 18 Uhr
ADEFRA, NEID & Queer Reads Library sind drei (queer-)feministische Gruppen, die Magazine produzier(t)en. Die Ausstellung widmet sich queeren und feministischen Künstler*innen, die sich über Magazinproduktion austausch(t)en und Gemeinschaften etablier(t)en. Sie haben damit viele Menschen außerhalb der Mainstream-Kultur gestärkt. Sie wirk(t)en in unterschiedlichen politischen Systemen und Zeiten, diese spezifischen Kontexte fungieren als Ausgangspunkte in begleitenden Debatten und Veranstaltungen der Ausstellung.
Mitte der 1980er gründete sich die Schwarze Frauen- & Lesbengruppe ADEFRA. Auf deren wichtige feministische und antirassistische Arbeit, sowie das Magazin Afrekete (1988–1990), verweisen die Installation ROOTS OF ADEFRA (AT) von Magda Korsinsky (unter Verwendung von Fotografien und Scans aus dem Archiv von Elija Sydney Tourkazi), sowie die Skulptur Afrekete von Barbara Walker. Die Skulptur wird am Ende der Ausstellung in den öffentlichen Raum überführt werden um an die Gründer*innen Elke Jank und Eva von Pirch zu erinnern.
Die Queer Reads Library wurde als Reaktion auf die Zensur von zehn Büchern mit LGBTQ-Thematik für Kinder und Jugendliche in den öffentlichen Bibliotheken Hongkongs im Juni 2018 ins Leben gerufen. Sie ist eine mobile Bibliothek mit queeren Zines und Büchern, die nun erstmalig in Europa gezeigt wird. Sie wird von Beatrix Pang in Hong Kong und Rachel Lau in Vancouver geleitet. In Berlin ist ein Workshop und Magazinaustausch mit der queeren chinesischen Exilcommunity in der ausgestellten mobilen Bibliothek in Vorbereitung.
Die 1992 gegründete Gruppe NEID nutzte sowohl Underground-Räume als auch Museen als Distributionswege. Bis 2004 erschienen zehn transmediale feministische Magazine als ironische Antwort auf das männlich dominierte Kunstsystem. Gezeigt werden Fotoselbstinszenierungen von unterschiedlichen NEID Akteur*innen sowie die NEID VIDEO SHOW.
Inmitten dieser diversen und doch miteinander verwobenen Praktiken erweist sich das Zine als ein globales Medium der Weltgestaltung, Erhaltung und Entwicklung queerer und feministischer Ausdrucksformen. Die Ausstellung ist ein lebendiges, dynamisches Zeugnis von der Kontinuität, der Widerstandsfähigkeit und der Vorstellungskraft queerer und feministischer Selbstbestimmung.
Ausstellungsbeteiligte
Jasmin Eding (*1960) ist seit über 40 Jahren aktiv in der Schwarzen Bewegung und Mitbegründerin von ADEFRA e.V. (Schwarze Frauen in Deutschland). Als Mitautorin des Buches Kinder der Befreiung (Hg. Marion Kraft, Münster, Unrast Verlag, 2016) schrieb sie über transatlantische Erfahrungen und Perspektiven Schwarzer Deutscher der Nachkriegsgeneration. Sie bezeichnet sich selbst als antirassistische, feministische, lesbische grassroots Aktivistin. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Ausgewogenheit von grassroots- und akademischer Arbeit in der Schwarzen Community, im Sinne der Inklusion.
Magda Korsinsky (*1981) ist eine Schwarze, cis, heteroflexible bildende Künstlerin und Choreographin. In Prag geboren, studierte sie u.a. Bildende Kunst an der UdK Berlin, der ENSBA Paris und der AVU Prag sowie Choreographie am HZT Berlin. Magda Korsinsky erforscht in ihrer bildnerischen Arbeit zentrale Themen wie Identität, Selbstermächtigung und Empowerment. Ihre Werke wurden international ausgestellt und ihre choreographischen Arbeiten an zahlreichen Bühnen in Deutschland gezeigt. Sie lebt in Berlin.
Beatrix Pang (*1976) ist nonbinäre Künstler*in, Kulturproduzent*in und unabhängige/r Verleger*in. Mit Hilfe von bildbasierten Medien und Druckerzeugnissen setzt sich Pang mit den Themen Gemeinschaft (Community), Migration und queere Identität auseinander. Beatrix Pang ist Gründer*in von Small Tune Press, Mitbegründer*in von ZINE COOP und der Queer Reads Library sowie Initiator*in des Archivs Migrant Workers Library. Pang kuratiert kollektive Veranstaltungen wie das ZINE YO! FEST und CRIP FUTURES / QUEER MARKET und hat in Asien, Europa und Nordamerika ausgestellt. Beatrix Pang lebt in Hong Kong.
Katharina Pfaller aka Babyberlin (*1966) ist eine freie Berliner Fotografin. Sie studierte Bildende Kunst an der UdK Berlin und war von Anfang an bei NEID mit Texten, Fotografien und grafischen Arbeiten dabei. Aktuell ist sie Erotikfotografin. Ihre Gabe Begehren visuell zu inszenieren lassen sehr persönliche, künstlerische Portraits entstehen.
Claudia Reinhardt (*1964) ist freie Künstlerin, Mitbegründerin von NEID und lebt in Berlin. Ihre Arbeiten werden national und international in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt. Von 2000-2012 lehrte sie Fotografie an der National Art Academy in Bergen (Norwegen). Monografien: Killing Me Softly – Todesarten (Aviva Verlag, Berlin 2004), No Place Like Home (Verbrecher Verlag, Berlin 2005), Tomb of Love (Verbrecher Verlag, Berlin 2016) Witwen/Widows (The Green Box, Berlin 2020), Da, wo ich nie war (BoD Verlag, Norderstedt 2023).
Katarina Šević (*1979) ist eine serbische Künstlerin und Designerin. 2026 verteidigte sie ihren DLA (Doctor of Liberal Arts) an der Universität der Bildenden Künste in Budapest (Ungarn). Ihre künstlerische Praxis verbindet Performances, Objekte, Kostüme und Publikationsprojekte. Sie initiierte zwei unabhängige Kunsträume in Budapest und ist Autorin und Mitherausgeberin mehrerer Bücher. Seit 2025 ist Katarina Šević im Vorstand des Vereins für zeitgenössische kunst und soziale fragen ATB, derin Berlin Lichtenberg den Ausstellungsraum after the butcher betreibt.Sie lebt in Berlin.
Elija Sydney Tourkazi (*1964) Schwarz – Indigen – Autist*in – Trans*. Hat in den 1980er Jahren den Beginn der Schwarzen Bewegung in Deutschland mit der Kamera festgehalten. Mitgründer*in von ADEFRA e.V. und JAMIL (Jüdische Migrierte Indigene Lesben) in Frankfurt am Main.
Barbara Walker (*1954) wurde in Guyana geboren. Ihre jamaikanische Familie stammt von versklavten Menschen ab, die aus Westafrika in die Karibik verschleppt wurden. Viele Mitglieder ihrer deutschen Familie kamen während des Holocaust ums Leben. Ihre Mutter konnte mit einem Kindertransport nach Großbritannien fliehen. 2018 zog Walker von Jamaika nach Berlin und lebt seitdem als freischaffende Künstlerin. In vielen ihrer Arbeiten beschäftige sie sich mit den traumatischen Erfahrungen ihrer jamaikanischen und deutschen Vorfahren. Sie sieht Parallelen zwischen den beiden Tragödien, der Versklavung und der Shoah, und denkt darüber nach, was es bedeutet, Nachkomme beider zu sein.
Jeanne-Ange Wagne (*1995) ist Kunsthistorikerin und als Sprachmittlerin und Kunst/-Wissensvermittlerin tätig. Sie setzt sich künstlerisch-forschend mit Erinnerung und Präservation sowie mit Afrikas materiellem Erbe in europäischen Museen auseinander. Sie arbeitete für den deutschen Zweig des transnationalen Forschungsprojekts The Restitution of Knowledge, unter der Leitung der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy an der Technischen Universität Berlin. Jeanne-Ange Wagne moderiert, konzipiert und veröffentlicht regelmäßig kritische Vermittlungsformate, Vorträge und Textbeiträge für Kultur- und Kunstinstitutionen im In- und Ausland, zuletzt für die Akademie der Künste Berlin, das Museum Fridericianum, die Kestner Gesellschaft und Goethe Institut Kamerun x Musée National Yaoundé u.a.
Ina Wudtke (*1968) ist eine Berliner Künstlerkuratorin, deren forschungsbasierte Arbeit dominante politische Narrative zu Geschlecht, Wohnen und Kolonialismus hinterfragt. Von 1992 bis 2004 war sie Teil des queerfeministischen Künstler*innenkollektivs NEID und gab das gleichnamige Magazin heraus. In der Publikation BLACK STUDIUM. A Tribute to Fasia Jansen, Hilarius Gilges & Joseph Ekwe Bilé (Berlin, Scriptings, 2024; Berlin EECLECTIC, E-Book, 2025) setzt sie ihre künstlerische Recherche zur Arbeiter*innenbewegung fort und legt Spuren der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland frei.
Galerie Nord
Turmstraße 75
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